Ihr Zinssatz – wie kommt er zustande?

Einflussfaktor I: Der aktuelle Marktlage und die EZB-Entscheidungen

Seit dem Jahr 2016 hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf null Prozent
gesenkt. Zudem muss jede Bank zwischenzeitlich einen gewissen Zinssatz an die Notenbank
bezahlen, wenn sie Gelder einlagern möchte und nicht an Kunden (über Darlehen) vergibt.
Zudem gibt es auf Spareinlage so gut wie keine Zinsen mehr. Diese (Null-)Zinswelt müsste
doch auf positiv für Ihre Baufinanzierung sein.
Diese verkehrte Welt hilft Ihnen für Ihre Finanzierung aber nur bedingt. Denn die aktuellen
Zinsen für Baufinanzierungen hängen nur zu einem gewissen Teil von der Leitzins-
Entwicklung für den Euro-Raum ab.

Einflussfaktor II: Der Leitzins

In der Praxis orientiert sich die Bank an mehreren Leitzinssätzen. Im täglichen
Bankengeschäft spielen verschiedene Zinsen eine große Rolle.

  • Die Zinsen für eine Geldanlage wie Tagesgeld und Festgeld sowie kurzfristige Kredite orientieren sich am Leitzins der Europäischen Zentralbank. Dieser wird für den gesamten Euro-Raum im Rahmen der Geldpolitik festgelegt.
  • Eine weitere wichtige Richtgröße für die Banken ist der EURIBOR. EURIBOR steht für Euro InterBank Offered Rate. Der EURIBOR liefert den Referenzzinssatz im Handel zwischen den europäischen Banken. Er ist somit der Indikator für welchen Zinssatz sich die Banken untereinander das Geld leihen und zeigt somit das aktuelle Vertrauenslage innerhalb der Bankenwelt. Für Sie als Kunde wir der der EURIBOR in der Regel genutzt, um den Zinssatz für eine variable Baufinanzierung festzulegen.
  • Einige Banken in Deutschland sind sogenannte Pfandbriefbanken. Pfandbriefe sind Refinanzierungswerkzeuge Bei diesen langfristigen Anlagen gilt: Je unsicherer andere Märkt, wie der Aktienmarkt, sind, desto gefragter sind die Pfandbriefe und je gefragter die Pfandbriefe sind, desto niedriger sind deren Zinsen. Im Sommer 2016 fiel die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen zum ersten Mal in der Geschichte negativ aus. Entsprechend niedrig sind die Zinsen für die Immobilienfinanzierung, denn sie orientieren sich an den Entwicklungen bei Anleihen und Pfandbriefen. Da einige der größten deutschen Banken Pfandbriefbanken sind, hat dieser Leitzinssatz einen großen Einfluss auf Ihre Baufinanzierung.

Einflussfaktor III: Markteinschätzung der jeweiligen Bank

Neben den festen Leitzinssätzen kann natürlich jede Bank ihre Konditionen individuell mit
weiteren Margenaufschläge steuern.

Entscheidend hierbei ist die Prognose der Bank zur wirtschaftlichen Entwicklung für die
Zukunft. Erwartet die Bank in den nächsten Jahren steigende Zinssätze, fällt der Aufschlag für
eine lange Zinsbindungsfrist höher. Erwartet die Bank stagnierende oder sinkende Zinssätze wird die Bank die langfristige Zinsbindung für Sie als Kunde attraktiv gestallten wollen und weniger Aufschläge.

Einflussfaktor IV: Lage, Lage, Lage – wichtiger Faktor auch für Ihre Bank

Natürlich hat auch die Wahl des Grundstücks und die Art Ihrer Immobilie Einfluss auf den
Zinssatz Ihrer Baufinanzierung.
Da Banken immer mit dem schlimmsten Szenario kalkulieren müssen, stellt sich für die Bank
immer die Frage, wie schnell sie Ihre Immobilie wieder verkaufen könnten. Den können Sie
als Kreditnehmer einmal die Raten nicht mehr bezahlen, muss die Bank, im schlimmsten Fall,
die Immobilie in einer Zwangsversteigerung verkaufen. Gerade bei Immobilien in Regionen
an denen Immobilien nur schwer verkauft werden hat die Bank daher ein erhöhtes Risiko.
Dieses höhere Risiko gibt die Bank über die Zinsen an Sie weiter. In einer begehrten Lage
dagegen ist es viel einfacher, einen Käufer zu finden, der einen hohen Preis zahlt. Das Risiko
für die Bank ist hier niedriger und daher wird der Zinsaufschlag für das Risiko auch niedriger
ausfallen.

Einflussfaktor V: Ihre Bonität

Ein weiter Faktor ist Ihre individuelle Einkommenssituation. Dieser Einflussfaktor für den Zinssatz hat allerdings in den letzten Jahren deutlich an Wichtigkeit verloren. Die Einkommenssituation wird für die meisten Banken lediglich noch für die Grundsätzliche Entscheidung der Machbarkeit herangezogen.

Einen gewissen Einfluss auf den Zinssatz hat dennoch Ihr Zahlverhalten. Zuverlässige Kunden, die ihre Schulden pünktlich zahlen, müssen hier keinen Zinsaufschlag befürchten. Doch auch andere Informationen beeinflussen in den Augen des Kreditgebers Ihre Bonität. Was darüber hinaus noch entscheiden sein kann ist das Arbeitsverhältnis. Unbefristet Arbeitsverhältnisse oder der Beamtenstatus werden bei einigen Banken mit bessren Zinssätzen belohnt.

Einflussfaktor VI: Die Beratung.

Der wahrscheinlich wichtigste Faktor für Ihren Zinssatz ist die richtige Beratung. Den
entscheide ist, ob Ihr Berater Ihre Wünsche und Ziel richtig versteht und Ihnen auf dieser
Basis die passende Lösung anbieten kann.

Wir arbeiten mit Beratern zusammen, die genau die richtige Lösung für Sie finden.